Das „Gassner Haus“ im Buck 2 hat schon manchen an Geschichte interessierten Gottmadinger fragen lassen, welche Geschichte hat das Haus bisher hinter sich.
         
Auch Schuhmachermeister Helmut Moosmann, der seinen Laden und Werkstatt gegenüber betrieb, fand einige Besonderheiten an diesem Haus.
Die Treppe auf der östlichen Seite, Richtung „Mond“, große Schlafzimmer, die für ein Bauernhaus
nicht üblich sind und einen seltsamen großen – jetzt nicht benutzten Saal . Über den Ballsaal erzählt noch Anfang 2006 Frau Paula Gassner wie auch ihre Tochter , dass sie vom „Hörensagen“ von einem Ballsaal gehört haben. Im übrigen ist das Haus bereits vor 1835 gebaut worden, denn im Ortsplan von 1835 ist das gesamte Anwesen bereits eingetragen.
In den bisherigen Veröffentlichungen über die Geschichte Gottmadingens ( Gottmadingen in Vergangenheit und Gegenwart, Gottmadingen 1952, 1000 Jahre Gottmadingen, Gottmadingen 1965 und Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde, Gottmadingen/Radolfzell 1997)) wurden lediglich die „Sonne“, der „Mond“ , der „Sternen“ und die „Friedenslinde) als sog. alte Wirtschaften beschrieben. Die anderen Wirtschaften entstanden im. 20 Jahrhundert. Lediglich im sog. Bilger Buch (Friedrich Wieland, Geschichte der Brauerei und der Familie Bilger, Karlsruhe 1940) findet sich ein Hinweis auf das Haus im Buck 2.
Wie wir aus alten Ortsplänen wissen, führte die Straße nach Hilzingen durch den Buck, also am Haus vorbei. Dort wo heute die Hilzinger Straße beginnt, breitete sich Mitte des 18. Jahrhunderts Teile des sog. „Herrschaftsgartens“ aus. Mitten drin der „Mond“, der als Gasthaus und Brauerei 1794 gebaut wurde. Die Bahnhofstraße war auch noch nicht vorhanden, die Bahnstrecke und somit auch der Bahnhof wurden erst 1863 eröffnet.
Helmut Moosmann ließ die Geschichte des Hauses im Buck 2 nicht mehr los und recherchierte in dem ihm zur Verfügung stehenden Archivalien.
Hier sein Bericht:
1821 verkauften die Rudolphschen Erben die Realgastwirtschaft "Zur Sonne" an den Bietinger Müller Johann Bilger; der eine Brauerei darin einrichtete. Sein Sohn Johann Baptist Bilger übernahm die Brauerei '1850. Zuvor, am 7-Januar 1845 heiratete er die Tochter Magdalene des Bauern Balthasar Fahr (1785-1844) im heutigen Gassner- Haus , Im Buck 2.
Magdalena Fahr war das achte von zwölf Kinder, wovon zehn im Kindesalter starben. Magdalena Fahr starb 1850 und wurde nur 23 Jahre alt.(s. Fahr-Familienbuch S.42). Johann Baptist Bilger wohnte nach seiner Heirat im landwirtschaftlichen Anwesen seiner Frau und richtete dort eine Gastwirtschaft ein (s. Familienbuch, Bilger S.55)• Die Schwiegereltern sind bereits 1845 bzw.1844 verstorben. Da Magdalena noch das einzige überlebende Kind war, fiel das stattliche Vermögen Magdalena und- Johann Baptist Bilger zu. Diese verkauften 1849 das Anwesen an Andreas Wildi, Sohn des damaligen Bürgermeister Anton Wildi, ,der die Gastwirtschaft später eingehen ließ.
Als ältester Sohn des Johann Bilger übernahm Johann Baptist Bilger '1849 die bescheidene Brauerei seines Vaters samt dem Gasthaus "Zur Sonne" einschließlich der Landwirtschaft. Er investierte das geerbte Vermögen in die Brauerei zur Schuldentilgung und zur umfangreichen Modernisierung. Ein enormer Aufschwung brachte ihm beiläufig den Ruf ein: Der eigentliche Gründer der von nun an stetig wachsenden, Brauerei zu sein.
Am 14.November 1921 verkaufte Genovefa Wildi, die Tochter des Andreas Wildi das Anwesen an Gustav Gassner, das später durch. Erbfolge an dessen Sohn Norbert Gassner überging. Nach. dem Tod von Norbert Gassner und dem Ableben seiner Frau Paula Gassner am 2,Juni 2006 sind die beiden Töchter Erika Mumm und Brigitte Meukomm im Besitz dieses Anwesens Im Bück 2 .
         
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